Ist meine mobile Seite schnell genug?

Mobile Page Speed einfach testenLesedauer: ca. 8 Min

18. September 2018

Immer mehr Menschen nutzen das mobile Internet nicht nur zur Informationssuche, sondern vermehrt auch zum Online Shopping – in Deutschland kommt mittlerweile fast die Hälfte aller Suchanfragen über mobile Endgeräte. Mobile Page Speed spielt daher eine zunehmende Rolle für Nutzer, Online Marketer und Unternehmer. Für einen schnellen Überblick über die Performance mobiler Webseiten hält Google einige Tools parat, die wir uns einmal näher angesehen haben.

Warum ist Mobile Page Speed so wichtig?

Laut Google erwartet fast die Hälfte der mobilen Nutzer eine Ladezeit von unter 3 Sekunden. Dabei wird die Wartezeit auf mobilen Endgeräten meist als länger empfunden, als sie tatsächlich ist, da die passive Wartezeit nicht in aktive Wartezeit umgewandelt werden kann. Verständlicher wird dies durch ein Beispiel: Während man auf den Zug oder das Ende der TV Werbung wartet, nimmt man häufig das Smartphone zur Hand – die gefühlte Wartezeit wird durch die Aufnahme einer ablenkenden Tätigkeit verkürzt. Während man darauf wartet, bis eine mobile Seite vollständig geladen ist, kann man kaum auf eine weitere Ablenkungsmöglichkeit zurückgreifen. Man kann nur in die Luft gucken, oder sich eine andere Seite suchen, die die gewünschten Ergebnisse schneller liefert.

Lädt eine Seite also zu lange, springen Nutzer ab, noch bevor sie überhaupt mit der Seite interagieren. Eine schlechte Erfahrung mit der mobilen Seite kann außerdem dazu führen, dass Nutzer nicht mehr wiederkehren und sich ein eher negatives Bild der Marke manifestiert.

Warum sich Online Marketer mit Mobile Speed auseinandersetzen sollten

Seit Juli 2018 fließt der Mobile Page Speed auch in den Mobile Page Rank von Google mit ein. Wer seine Seite bisher noch nicht „mobile fit“ gemacht hat, könnte daher auch an Position in den organischen Suchergebnissen verlieren.

Nicht nur für SEO Manager ist dies von Bedeutung. Auch für SEA spielt die mobile Seitengeschwindigkeit eine Rolle: Ein Punkt in der Berechnung von Keyword-Qualitätsfaktoren ist die Nutzererfahrung mit der Zielseite. Diese kann auch durch eine langsame mobile Webseite verschlechtert werden, was sich auf die Ausspielung des Keywords und letztendlich auf Conversion-Rate und damit den Umsatz des Unternehmens auswirkt.

Google Tools: Wie schnell ist meine Seite?

Um sich einen relativ schnellen und unkomplizierten Überblick über die mobile Seitenladegeschwindigkeit zu verschaffen, stellt Google verschiedene Tools parat, die wir uns einmal näher angesehen haben:

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1. Test My Site – Das schnelle Allround-Tool

Das Test My Site Tool ist sehr simpel und übersichtlich gehalten. Einfach die URL eingeben und schon wird die mobile Seite innerhalb einer Minute analysiert.

Google zeigt in den Resultaten nicht nur die Ladezeit im mobilen 3G Netzwerk. Auch wird ein Schätzwert angegeben, wie viel Prozent der Nutzer aufgrund der Ladezeit abspringen. Interessant ist auch der Wettbewerbsvergleich. Dieser bietet eine Einordnung der eigenen Seite im Vergleich zum Wettbewerb und zeigt außerdem auf, welche mobile Geschwindigkeit die Top Performer der Branche vorweisen. Sollte Ihre Seite einmal nicht der richtigen Branche zugeordnet worden sein, lässt sich diese unterhalb des Balkens einfach ändern. Welche Wettbewerber in der jeweiligen Branche hier zum Vergleich herangezogen werden, lässt sich jedoch nicht feststellen.

Mobile Speed Branchenvergleich

Mobile Site Speed: Wo steht meine Seite im Branchenvergleich?

Am hilfreichsten ist jedoch der dritte Punkt der Resultate-Seite: Bei Klick auf „Die wichtigsten Optimierungen ansehen“ werden Punkte angezeigt, an denen gearbeitet werden kann, um die Seitenladegeschwindigkeit zu verbessern. Vorschläge wie die Optimierung von Bildern können dabei recht einfach, wenn auch (je nach Umfang der Seite) zeitaufwändig umgesetzt werden. Für andere wird die Unterstützung der IT benötigt.


Tipp: Zeigen Sie dem Nutzer, dass etwas passiert – beispielsweise durch Ladebalken oder -punkte. Google macht dies in seinem Test My Site Tool bereits vor und hält den Nutzer mit Animationen bei Laune.


Unter “Kostenlosen Bericht anfordern”, wird einem außerdem nochmal ein Bericht zugesandt, in dem die Optimierungsvorschläge priorisiert werden. Leider ist dieser Bericht im Test jedoch nur selten tatsächlich angekommen oder hat mehrere Tage auf sich warten lassen.

Mobile Site Speed Bericht

Mobile Site Speed Bericht mit Priorisierung der Optimierungsmöglichkeiten

2. Winning on Mobile – Die Mobile Speed Scorecard von Google

Mit Hilfe dieser Mobile Scorecard kann man zum einen sehen, wie sich die eigene mobile Webseite im Vergleich zu konkreten Wettbewerbern schlägt. Hierfür einfach die eigene URL eingeben und bis zu 9 Mitbewerber hinzufügen. Oben sollte außerdem das Zielland eingestellt werden. Wichtig ist außerdem, 3G anstatt der voreingestellten 4G auszuwählen, da vor allem in Europa die meisten Daten über das 3G Netzwerk oder noch langsamere Verbindungen laufen. Der mobile Sitespeed wird direkt nach Eingabe der jeweiligen URL angezeigt, da Google hierfür vorhandene Daten aus dem Chrome User Experience Report heranzieht.

Ein Vorteil gegenüber Test My Site ist, dass das Tool eine potentielle Umsatzsteigerung bei Verbesserung der mobilen Ladegeschwindkeit aufzeigt – und das mit realen Daten. Aktuell ist das Tool allerdings nur auf Englisch und für „bekannte Seiten“ verfügbar und daher für kleinere Seiten häufig nicht nutzbar.

Mobile Speed Impact Calculator

Impact Calculator: Welchen Einfluss auf den Umsatz kann eine Verbesserung der mobilen Geschwindigkeit haben?

3. Google Entwicklertools – Für den tieferen Einblick

Die letzte Möglichkeit zur Untersuchung von Webseiten bieten die Google Entwicklertools, die allerdings nur im Chrome Browser verfügbar sind. Man findet sie mit Rechtsklick auf die entsprechende Seite > Untersuchen oder oben rechts über die Chrome Einstellungen > weitere Tools > Entwicklertools. Diese bieten sich vor allem an, um ganz konkret einzelnen, langsam ladenden Elementen auf die Spur zu kommen.

Mobile Page Speed

Google Entwicklertools: Aufzeichnung der mobilen Seitenladegeschwindkeit

Im Reiter Network (1) kann man sich, sowohl für Desktop als auch für Mobile (2) und sogar für bestimmte Smartphone Typen (3), die Seitenladegeschwindigkeit aufzeichnen lassen. Ein besonderes Gimmick ist die Aufzeichnung der Frames (4). Nach Aktivierung dieser Option sieht man, welcher Teil der Seite nach einem bestimmten Zeitraum geladen hat.

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Tipp: Der sogenannte Above the Fold Teil der Seite, also der Teil, den Nutzer ohne Scrollen zuerst wahrnehmen, spielt auch mobile eine wichtige Rolle. Im Beispiel lädt der Seitenheader mit dem Logo der Seite gleich zu Anfang. Somit weiß der Nutzer sofort, dass er sich auf der richtigen Seite befindet und wird nicht durch eine vollständig leere Seite verwirrt.


Nachdem man alle Einstellungen vorgenommen hat, die Seite neu laden (Windows F5 oder Mac cmd + R). Die Seitenladezeit unten rechts ist bei einigen Seiten nicht so aussagekräftig, da häufig noch weitere Elemente im Hintergrund geladen werden. Wichtig ist es, dass der für den Nutzer bedienbare Teil der Webseite schon früh geladen wird. Dies kann man sowohl anhand der Frame-Aufzeichnung als auch der Auflistung der einzelnen Elemente sehr gut nachverfolgen. Sortiert man die Elemente nach Ladezeit, kann man schnell ausmachen, welche Bilder, Skripte oder Dokumente lange zum Laden benötigen und gegebenenfalls optimiert werden müssen.

Checkliste: Empfehlungen zur Mobile Speed Optimierung

Für Elemente, die auf oder im Hintergrund der Seite geladen werden, empfiehlt Google einige Werte, an denen man sich gut orientieren kann:

  • Ladezeit (Finish Time): Unter 5 Sekunden sind optimal.
  • Größe der Seite: Diese sollte idealerweise bei nicht mehr als 1 MB liegen.
  • Bildgröße: Unter 100 KB sind wünschenswert.
  • Gesamtgröße der Bilder: Idealerweise optimiert man hier auf einen Zielwert von unter 500 KB. Je nach Zweck der Seite, zum Beispiel bei sehr bildlastigen Branchen, ist dies jedoch schwierig.
  • Schriftart: Die Gesamtgröße der Schriftart-Dateien sollte ebenfalls unter 100 KB liegen.
  • Java Script und CSS Dateien: Auch hier empfiehlt es sich, möglichst wenige Dateien im Einsatz zu haben. Einzelne Dateien sollten ebenfalls nicht größer als 100 KB sein.
  • Server Anfragen (Requests): Die Seite sollte weniger als 75 Serveranfragen stellen.
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Handlungsempfehlungen für Google Ads Account Manager

Nicht alle der von Google vorgeschlagenen Optimierungsmöglichkeiten lassen sich zeitnah umsetzen. Daher wird häufig weiterhin Traffic über Google Ads (ehemals AdWords) und andere PPC Plattformen auf nicht mobile optimierte Seiten geleitet. Bleibt die Nutzererfahrung mit der mobilen Seite schlecht, so bleiben trotz hohen Kosteneinsatzes die Conversions und Umsätze häufig aus. Ein relativ einfaches Mittel, um unnötige und v.a. nicht zielführende Kosten zu vermeiden, sind Gebotsanpassungen für mobile Endgeräte. Diese können auf Kampagnen-, besser noch auf Anzeigengruppenebene eingestellt werden. Natürlich sollte man eine mögliche Senkung der Gebote für mobile über Bid Modifier nicht pauschal durchführen, sondern anhand der jeweiligen Kampagnen- oder Anzeigengruppenperformance bewerten.

Fazit

Die beiden ersten Tools verschaffen einen schnellen Überblick über die Performance mobiler Webseiten. Besonders interessant und auch für Kunden oder Vorgesetzte nachvollziehbar, ist der Zusammenhang zwischen Mobile Page Speed und Umsatz, den die Mobile Scorecard bietet. Um allerdings die wirklichen „lahmen Schnecken“ auf der Webseite zu identifizieren, sollte man sich einmal mit den Google Entwicklertools auseinandersetzen.

Quellen:

Think with Google: Marketing Fakten, die Sie wissen sollten
Test My Site Tool von Google
Mobile Scorecard von Google
Google Webmaster Central Blog: Using page speed in mobile search ranking
Think with Google: Cellular Network Connections

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